WHO-Leitfaden zur Regulierung von Gesundheitsfachkräften (2024)

Die Regulierung von Gesundheitsfachkräften ist entscheidend für die Patientensicherheit und die Qualität der Gesundheitsversorgung. Durch klare Standards für Ausbildung, Kompetenz und ethisches Verhalten soll sichergestellt werden, dass Gesundheitsdienstleistungen sicher, gerecht und effizient sind. Das WHO-Dokument bietet eine umfassende Orientierung für die Gestaltung, Reform und Umsetzung von Regulierungssystemen weltweit.

Ziele und Methoden

Das Ziel des Leitfadens ist es, verschiedene Regulierungsansätze zu dokumentieren, Herausforderungen und Reformmöglichkeiten zu analysieren und evidenzbasierte Empfehlungen für politische Entscheidungsträger und Regulierungsbehörden bereitzustellen. Grundlage für das Dokument sind Literaturanalysen sowie Expertenmeinungen aus verschiedenen Ländern.

Hauptergebnisse und Herausforderungen

Die Regulierungssysteme sind weltweit sehr unterschiedlich und werden von Faktoren wie nationalen Gesundheitssystemen, rechtlichen Rahmenbedingungen und sozioökonomischen Gegebenheiten beeinflusst. Wichtige Herausforderungen sind unter anderem:

  • Fehlende Standardisierung: Unterschiedliche Berufsgruppen und Qualifikationsanforderungen erschweren eine einheitliche Regulierung.
  • Regulierungspraktiken und -lücken: Oft gibt es eine Diskrepanz zwischen Regulierungszielen und der tatsächlichen Umsetzung, besonders in Ländern mit begrenzten Ressourcen.
  • Berufliche Mobilität: Internationale Migration und digitale Gesundheitsversorgung (z. B. Telemedizin) erfordern flexible und anpassbare Regulierungsmechanismen.
  • Covid-19-Erfahrungen: Die Pandemie hat gezeigt, dass regulatorische Systeme agil und krisenfest sein müssen.

Kernbereiche der Regulierung

  • Ausbildung und Zulassung: Regulierung beginnt mit der Definition von Ausbildungsstandards und der Akkreditierung von Programmen. Viele Länder setzen auf Lizenzierungsprüfungen zur Sicherstellung der Mindestkompetenz.
  • Berufsausübung: Die Regulierung umfasst Berufsregistrierung, kontinuierliche Weiterbildung und Maßnahmen zur Qualitätssicherung.
  • Ethische Standards und Disziplinarmaßnahmen: Verstöße gegen Berufsnormen müssen effektiv geahndet werden, um das Vertrauen der Öffentlichkeit zu wahren.
  • Verteilung von Fachkräften: Regulierungsbehörden sollten Maßnahmen ergreifen, um die Verfügbarkeit von Fachkräften in unterversorgten Regionen zu verbessern.

Schlussfolgerung und Empfehlungen

Ein effektives Regulierungssystem sollte flexibel, transparent und risikobasiert sein. Überregulierung kann den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen behindern, während eine zu schwache Regulierung Patientensicherheit gefährdet. Die WHO empfiehlt ein schrittweises Vorgehen:

  1. Analyse des aktuellen Systems und Identifikation von Schwachstellen.
  2. Entwicklung von risikobasierten und evidenzgestützten Regulierungsmaßnahmen.
  3. Überprüfung und Anpassung der Maßnahmen, um auf Veränderungen in der Gesundheitsversorgung reagieren zu können.

Insgesamt betont die WHO die Notwendigkeit, Regulierungssysteme kontinuierlich weiterzuentwickeln, um eine sichere, effektive und zugängliche Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.


Posterpräsentation berufsständische Selbstverwaltung auf der 7. int. Konferenz der DGHWI

Prof. Dr. Ruth Martis, Andrea Villmar und Prof. Michaela Michel-Schuldt präsentierten ihr Poster mit dem Titel „Wer „A“ wie Akademisierung sagt, muss auch „B“ wie berufsständische Selbstverwaltung sagen“ bei der 7. internationalen Konferenz der DGHWI. Der abstract und das Poster als pdf ist bei GMS hinterlegt

https://www.egms.de/static/de/meetings/dghwi2024/24dghwi63.shtml

Hintergrund: Nach Klemmt weist Professionalisierung basierend auf dem merkmalstheoretischen Ansatz verschiedene Merkmale auf. Einige dieser Merkmale sind nach einer Analyse zum Stand der Professionalisierung des Hebammenwesens in insgesamt 29 europäischen Ländern bereits umgesetzt oder auf dem Weg dorthin. So seien in den meisten Ländern Fortschritte bei der Professionalisierung des Hebammenwesens durch die Verlagerung der Ausbildung in den Hochschulbereich erzielt worden, verbunden mit Möglichkeiten zum postgradualen Studium und zur Forschung. Merkmale, die in den Bereich der Regulierung des Hebammenwesens fallen, stehen derzeit weniger im Fokus der Professionalisierungsdebatte. Konkret sind dies Fach- und Sachautonomie bei der Berufsausübung, exklusive Berechtigung/Lizensierung bei der Berufsausübung, verpflichtende berufsständische Normen in Form von Ethikkodizes sowie kollegiale Selbstkontrolle und die Herausbildung und Etablierung von selbstverwaltenden berufsständischen Organisationen. Letzterer Punkt soll im Fokus dieser Arbeit stehen.

Ziel/Fragestellung: Welche Möglichkeiten und Formen der Etablierung von berufsständischen Gremien der Selbstverwaltung des Hebammenwesens existieren international? Lassen sich darunter Best Practice Beispiele finden und wie lassen sich diese auf Deutschland übertragen?

Methodik: Im Rahmen einer Politikanalyse mittels Analyse von Dokumenten wurde zunächst der internationale Kontext zur berufsständischen Selbstverwaltung basierend auf den globalen Standard zur Regulierung des Hebammenberufes der International Confederation of Midwives (ICM) betrachtet. Selbstverwaltete berufsständische Organisationen (Berufskammern, -räte, -gremien) verschiedener Länder wurden am ICM Standard gemessen und Best Practice Beispiele wurden auf deren Übertragbarkeit auf das deutsche (Gesundheits-) politische System geprüft.

Ergebnisse: Das Midwifery Council in Neuseeland setzt als berufsständisches Organ der Selbstverwaltung alle Punkte des ICM Standards um. Art und Umfang der Hebammenleistungen (z.B. Berufsordnung) werden vom Council festgelegt, ebenso die Kompetenzen und Regelungen für Ausbildung/Studium; das Midwifery Council organisiert die verpflichtende Registrierung/Lizenzierung und ist für die Einhaltung von Re-Lizenzierung und damit dem Erhalt und Erweiterung der Kompetenz zuständig. Es reguliert Fort- und Weiterbildung und hat ein Beschwerdesystem etabliert, welches auch Sanktionen verhängen kann. Ein verpflichtender Verhaltenskodex/bzw. eine Berufsethik existiert. Ziel der Regulation ist der Schutz der Leistungsnehmer*innen, daher sind diese im Vorstand des Midwifery Councils vertreten. Eine Übertragung auf das deutsche politische System ist weitestgehend möglich und könnte der Stärkung der Professionalisierung des Hebammenwesens dienen.

Relevanz: Hebammen in Deutschland sind auf dem Weg der Professionalisierung. Neben der bereits erfolgten Akademisierung kann der Fokus nun auf den Bereich Selbstregulierung gelegt werden.

Empfehlungen/Schlussfolgerung: Die Etablierung einer selbstverwalteten berufsständischen Organisation um Selbstregulierung basierend auf internationalen Standards zu stärken ist der nächste notwendige Schritt auf dem Weg zur Professionalisierung des Hebammenwesens in Deutschland.

Ethik und Interessenkonflikte: Es war nicht notwendig, die Forschungsarbeit einer Ethikkommission vorzulegen. Die Forschung wurde durch Eigenmittel finanziert. Es liegen keine Interessenkonflikte vor.“

Lesemempfehlung: Hebammenforum 08/2022 mit dem Schwerpunkt „Regulierung“

Die aktuelle Ausgabe des Hebammenforums hat den Schwerpunkt „Regulierung“ gewählt.

Schwerpunkt August: Regulierung

Der Hebammenberuf und seine Ausübung werden durch eine Reihe von Regelwerken bestimmt. Welche dies in Deutschland sind, erklärt Michaela Michel-Schuldt in einem Überblicksartikel. Welcher Grad an Regulierung förderlich ist, ist umstritten. Um nachzuvollziehen, welche Aufgaben und Grenzen es gibt, hat Susanne Teuerle die Organisationen Berufsverband und Kammer gegenübergestellt. Und wie werden Hebammen in anderen Ländern reguliert? Anna Hultsch gibt einen Einblick, wie in Großbritannien Regularien zur Qualitätssicherung beitragen. Schließlich erläutert ICM-Präsidentin Franka Cadée im Interview mit dem Hebammenforum, warum Hebammen durch Regulierung nur gewinnen können.“

Inhaltsverzeichnis Hebammenforum 08/2020

Studie belegt Wirksamkeit der Pflegekammer

Meldung bei Pflege Online vom 30.01.2019

Das zeigt die Studie „Pflege in anderen Ländern – vom Ausland lernen?“, welche die Stiftung Münch jetzt vorgestellt hat. Demnach wird anderswo nicht nur mehr in die hochschulische Aus- und Weiterbildung von Pflegefachpersonen investiert. Auch die Selbstorganisation und Selbstverwaltung der Pflege werden gestärkt – und vor allem tragen die Pflegenden dort größere Verantwortung bei der Versorgung der Patienten und übernehmen eigenverantwortlich mehr Aufgaben.

Die vollständige Studie können Sie bei medhochzwei erhalten.

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