Warum Ärztepräsident Herrmann Pflegekammern gut findet

Aus pflegen-online.de vom 27.8.2019

Während manch Pflegekraft gegen ihre Zwangsmitgliedschaft rebelliert, halten Ärztepräsidenten, wie Henrik Herrmann (Schleswig-Holstein) und Günther Jonitz (Berlin) Pflegekammern für einen Segen

 

Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin, ist unter den Ärzten möglicherweise der prominentesten Verfechter einer Pflegekammer: Auf dem Hauptstadtkongress im Mai etwa hat er sich in einer Podiumsdiskussion mit dem Präsidenten der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz Markus Mai klar für eine selbstverwaltete Pflege ausgesprochen. Auch die Ärztekammer Schleswig-Holstein zeigt sich offen. Wir fragten Ärztekammer-Präsident Dr. Henrik Herrmann (Foto unten) nach den Beweggründen.

pflegen-online: Warum plädieren Sie für Pflegekammern? Es gibt ja durchaus Ärzteorganisation, die die Pflege lieber am Katzentisch sähen …

Henrik Herrmann: Mit der Pflegeberufekammer haben wir hier in Schleswig-Holstein in der Pflege endlich einen mandatierten – sprich einen offiziellen, politisch legitimierten – Ansprechpartner. Vorher gab es natürlich schon unterschiedliche Pflegeverbände, aber es war immer problematisch einzelne anzusprechen, weil sie kein Mandat haben, für die gesamte Berufsgruppe zu sprechen. Das ist bei einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, so wie es jetzt die Pflegeberufekammer ist und wie wir es schon seit 75 Jahren sind, etwas anderes. Die Pflegeberufekammer ist ja das Ergebnis eines politischen Beschlusses im Landesparlament, also eine Entscheidung auf höchster politischer Ebene.

Warum ist es Ihnen so wichtig, einen offiziellen Ansprechpartner in der Pflege zu haben?

Wir brauchen die Pflegefachkräfte! Nur gemeinsam können wir die Versorgung im Flächenland Schleswig-Holstein zukunftsfähig machen. Wir müssen die Probleme und möglichen Lösungen gemeinsam besprechen. Es wird in unserem Bundesland, mehr und mehr ein teamorientiertes Arbeiten stattfinden. Dabei wird die Pflege im ambulanten Bereich einen ganz wichtigen Part spielen.

Gibt es schon eine Zusammenarbeit zwischen Ihrer Kammer und der Pflegeberufekammer?

Ja, wir treffen uns regelmäßig mit dem Vorstand der Pflegeberufekammer. Das ist uns wichtig. Denn die Pflegekräfte sind die Berufsgruppe, mit der wir die größte Schnittmenge haben, mit keiner anderen arbeiten wir so eng zusammen. Die Pflegeberufekammer ist ähnlich aufgebaut wie eine Ärztekammer und uns beschäftigen ähnliche Themen, wie Weiterbildung, Fortbildung und Qualitätssicherung. Wir planen auch gemeinsame Fortbildungen.

Außerdem unterstützen wir die Pflegeberufekammer beim Aufbau ihrer Mitgliederverwaltung – bei IT-Fragen und wenn es um spezielle Software-Programme geht. Das muss man sich nur einmal vorstellen: Auf Anhieb, innerhalb kürzester Zeit muss die Kammer rund 25.000 Mitglieder verwalten! Wir haben 18.000 und haben dafür 75 Jahre Zeit gehabt …

Am Oberverwaltungsgericht in Lüneburg haben zwei Pflegekräfte aus Niedersachsen gegen die Zwangsmitgliedschaft geklagt – erleben Sie so etwas auch mit Ärzten?

Gelegentlich spüren wir gewissen Unmut und Frust, aber kaum jemand lehnt sich gegen die Mitgliedschaft auf. Wenn Mitglieder klagen, dann aus der Vorstellung heraus, nicht mehr ärztlich tätig zu sein, sondern inzwischen einen ganz anderen Beruf auszuüben, etwa als Unternehmer oder als Forscher. Aber alle Verfahren dieser Art sind für die Kammer entschieden worden. Eine Aufkündigung der Mitgliedschaft ist tatsächlich nur möglich, wenn man nicht mehr in Deutschland lebt oder seine Approbation aufgibt oder sie einem entzogen wird. Das ist bei der Pflegeberufekammer anders: Da zählt man solange als Mitglied, wie man berufstätig ist.

Das Gericht hat das Vorgehen der Pflegekammer Niedersachsen als rechtmäßig bestätigt. Was sagen Sie zu dem Urteil?

Es wundert mich in keinster Weise. Es wäre merkwürdig, hätte das Gericht anderes entschieden. Die Pflegeberufekammer erfüllt ja einen staatlichen Auftrag, da kann sich keiner ausnehmen, weil er aus diesem oder jenem Grund Kritik anzubringen hat. Es ist aber gut, dass die Klage jetzt durchgestanden ist, das gibt den Pflegeberufekammern Sicherheit.

Glauben Sie, dass die vielen Proteste vorübergehen werden?

Ja, sie werden sich legen, wenn die Mitglieder sehen, welche politischen Vorteile die Kammer für ihren Berufsstand hat. Die Politik hat mit der Pflegeberufekammer einen mandatierten Ansprechpartner bekommen, das bedeutet unter anderem, Vertreter der Pflege werden in politische Gremien eingeladen und haben dort auch ein Stimmrecht. Sie werden zu gesundheits- und pflegepolitischen Gesetzesentwürfen angehört und erhalten somit einen gewissen Einfluss. So werden die Vorteile der Pflegekammer nach und nach für die Mitglieder sichtbar.

Was mir noch ganz wichtig ist: Der Begriff Kammer klingt verstaubt, doch sie ist eine hoch demokratische Einrichtung: Es gibt die Kammerversammlung, die von allen Mitgliedern gewählt wird. Und aus dieser heraus wird dann der Vorstand gewählt. Ich würde mir wünschen, dass so viele Mitglieder wie möglich von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen und Einfluss nehmen.

Interview: Kirsten Gaede

 

Pflichtmitglied­schaft in Pflegekammer ist rechtens

aus dem Ärzteblatt 08.2019

Lüneburg – Die Zwangsmitgliedschaft in einer Pflegekammer ist rechtlich nicht zu be­anstanden. Das hat das niedersächsische Oberverwaltungsgericht heute entschieden und die Klagen von zwei Krankenschwestern gegen die Zwangsmitgliedschaft in der Pflege­kammer Niedersachsen zurückgewiesen (Az. 8 LC 116/18, 8 LC 117/18).

Der Beitritt zur Kammer habe vom Land Niedersachsen angeordnet werden dürfen, teilte das OVG heute mit. „Die Belastung durch die Mitgliedschaft ist nicht so schwerwiegend, dass der Gesetzgeber sie nicht anordnen durfte“, hieß es in einer Mitteilung des Gerichts.

In einem der beiden Verfahren stand die Verfassungsmäßigkeit der Gesetzgebung im Vor­dergrund. Das Gericht stellte fest, dass die Pflichtmitgliedschaft und die damit einher­gehende Beitragspflicht in die allgemeine Handlungsfreiheit eingreifen. Der Eingriff sei jedoch verfassungsgemäß.

In dem zweiten Verfahren ging es um die Klage einer Fallmanagerin, die überwiegend Verwaltungsaufgaben ausführt, aber über eine Pflegeausbildung verfügt. Da sie nicht in der direkten Pflege tätig ist, lehnte sie eine Mitgliedschaft in der Pflegekammer ab. Das Oberverwaltungsgericht sah das wie zuvor das Verwaltungsgericht Hannover anders. Das Oberverwaltungsgericht ist der Ansicht, dass die Klägerin auch in dieser Tätigkeit auf die Kenntnisse und Fähigkeiten ihrer Pflegeausbildung zurückgreifen könne.

Über die Höhe der Beiträge für die Pflegekammer musste das Gericht in den beiden Ver­fahren nicht entscheiden. Die beiden Klägerinnen hatten sich gegen den Zwang gewehrt, Mitglied in der Kammer sein zu müssen.

„Das Urteil ist richtungsweisend und stärkt die Profession Pflege“, sagte die niedersächsi­sche Kammerpräsidentin Sandra Mehmecke. Die Pflegekammer sei angetreten, um die Situation aller beruflich Pflegenden zu verbessern.

Mitglieder der Pflegekammer Niedersachsen sind alle in Niedersachsen tätigen Pflege­fachpersonen mit einer staatlichen Anerkennung in der Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege oder Altenpflege. Mitglieder sind auch Personen, die nicht in der direkten Pflege arbeiten. Voraussetzung ist, dass in der ausgeübten Tätig­keit Können und Wissen aus der Ausbildung eingesetzt werden oder auch nur eingesetzt werden könnten. © dpa/may/aerzteblatt.de

Podium Hebammenkammer auf dem 15. Hebammenkongress in Bremen

d7uadi9xyae0y28.jpg

Von links nach rechts: Rita Borg-Xureb, Andrea Ramsell, Simone von Stosch, Franz Wagner, Michaela Michel-Schuldt, Carola Bury und Andrea Villmar; Photo: @Ulrike_Hauffe

Rita Borg-Xureb Mitglied im Board der International Confederation of Midwives (ICM) eröffnete die Podiumsdiskussion mit einem Keynote-Vortrag, in dem Sie die Internationale Sicht auf das Thema Regulierung von Hebammen darstellte. Laut ICM stützen drei Säulen das Hebammenwesen: Ausbildung, Berufsverbände und Regulierung. Inhaltlich bezog sich Rita Borg-Xureb auf zentrale Dokumente des ICM, zum einen den Global Standards zu Midwifery Regulation (2011) wonach die Regulierung von Hebammen als erstes dem Schutz der Öffentlichkeit diene, bestimme, wer den Titel „Hebamme“ tragen dürfe, hohe Qualitätsstandards in der Hebammenversorgung setzt und dafür sorgt, dass Hebammen einem Ethikkodex folgen. Als Beispiel für gesetzliche Vorlagen wurde das Hebammengesetz genannt und als regulierende Behörde die Hebammenkammer. Sie wies darauf hin, dass der Beruf von Hebammen selbst reguliert werden, Laienvertreterinnen jedoch dem Vorstand beisitzen sollten. Die Regulierende Behörde sollte eng mit den Hebammenverbänden und anderen Behörden zusammenarbeiten. Die Aufgaben einer Kammer seien, die Berufsordnung und die Standards der Ausbildung zu erstellen und zu genehmigen, Hebammen zu registrieren und zu bestimmen, wer den Titel „Hebamme“ tragen darf. Weiterhin soll die regulierende Behörde praktizierende Hebammen, die ihre Kompetenz erhalten, regelmässig lizenzieren und die Hebammen disziplinieren, die nicht entsprechend der gesetzten Standards praktizieren. Die regulierende Behörde erstelle einen Verhaltenskodex (Code of Conduct) und einen Ethikkodex (Code of Ethics). Ziel des globalen Standards sei es, die Autonomie des Hebammenberufes zu sichern, der sich von anderen Berufen, wie beispielsweise der professionellen Pflege und der Medizin, unterscheidet. Auf EU-Ebene regele die Direktive 2005/36/EC die Ausbildung und dessen Qualifikationsniveau, den professionellen Tätigkeitsbereich und die gegenseitige Anerkennung. Rita Borg-Xureb gab weiterhin einen Überblick über verschiedene regulierende Behörden, vor allem Hebammenkammern oder gemeinsame Berufskammern mit der Pflegeprofession, in denen Hebammen die Zuständigkeit über ihren Beruf bewahren. Um zu überprüfen, ob die Regulierung von Hebammen in einem Land den internationalen Standards entsprechen und um diese entsprechen anzupassen, wies die Rednerin auf unterstützende Prozesse und Dokumente hin, die im ICM Regulation Toolkit zu finden sind. Das Fazit von Rita Borg-Xureb bezüglich der Regulierung von Hebammen in Deutschland war: you will find your own model (that fits best to your context).

Die Moderatorin Simone von Stosch lenkte nach der Präsentation das Gespräch mit den eingeladenen Podiumsgästen.

Michaela Michel- Schuldt, Hebamme und Beraterin im Bereich Globale Gesundheit von der University of Technology Sydney und Mitbegründerin der Initiative Hebammenkammer wies darauf hin, dass es derzeit in Deutschland Lücken in der Selbstregulierung des Hebammenberufes gäbe, die deutlich für eine Hebammenkammer sprechen. Beispielsweise sind Hebammen in Deutschland nicht verpflichtet, sich zu registrieren. Dies bringt mit sich, dass wir in Deutschland nicht umfänglich wissen, wie viele Hebammen an welchem Ort praktizieren, was auch eine zukünftige auf Evidenzen basierende Versorgungsplanung erschwere. Weiterhin gäbe es Lücken beim Schutze der Öffentlichkeit, denn ein Beschwerdemanagement fehle, in dem Frauen, die beispielsweise Gewalt während der Geburt durch Hebammen erfahren haben, Ihr Anliegen anbringen könnten und dieses auch mit Sanktionen reagieren könnte. Insgesamt wies Sie darauf hin, dass der Deutsche Hebammenverband sich im Rahmen einer Projektgruppe mit der Verbesserung der Selbstregulierung des Hebammenberufes beschäftige und die Möglichkeit der Etablierung einer Hebammenkammer bzw. einer regulierenden Instanz abwäge. Sollten Hebammen vor die Frage gestellt werden: Hebammenkammer – ja oder nein, sollte es ihnen ermöglicht werden, eine informierte Entscheidung treffen zu können.

Andrea Villmar, Hebamme, Diplom Gesundheitsökonomin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Gesundheit Bochum und ebenfalls Mitbegründerin der Initiative Hebammenkammer stellte zunächst die Forderung auf: entweder bekommen alle Gesundheitsberufe eine Kammer oder keine. Dies spielte auf die Möglichkeiten der Einflussnahme im Gesundheitssystem an, die Hebammen durch das Fehlen einer Berufskammer im Gegensatz zu Medizinern derzeit noch nicht umfassend nutzen könnten. Aktuell können Hebammen bei Prozessen gehört werden, die ihren beruflichen Bereich betreffen, müssen es aber nicht. Die neu gegründeten Pflegekammern berichten davon, nun in entscheidenden Gremien mit einbezogen zu werden. Die Hebammenkammer wäre ein Teil des „Vierklangs“ zusammen mit den Berufsverbänden, der Gewerkschaft Verdi und der wissenschaftlichen Fachgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft, Organisationen, die den Hebammenberuf zusammen stärken können. Andrea Villmar unterstrich, dass sie sich dafür einsetzte den Hebammenberufs bestmöglich aufzustellen und dafür wäre sie bereit neue Strukturen zu denken und erschaffen. Eine Hebammenkammer wäre eine Möglichkeit, die in Deutschland gegebenen Rahmenbedingungen dafür zu nutzen.

Carola Bury von der Angestelltenkammer Bremen gab zu Bedenken, dass die Hebammekammer nicht alle Probleme des Hebammmenwesens lösen könne, denn auf Tarifverhandlungen beziehungsweise auf Gebührenverhandlung nehme sie keinen Einfluss. Sie unterschied zwischen Berufskammern und berufsunabhängigen Kammern.

Franz Wagner vom Deutschen Pflegerat positionierte sich klar zur Etablierung von Pflegekammern. Er unterstrich, dass die Hebammen bereits einen hohen Organisationsgrad durch eine hohe Mitgliederzahl im Deutschen Hebammenverband erreicht hätten und gab zu bedenken, dass mögliche Hebammenkammern auf Länderebene von der zahlenmäßig kleinen Berufsgruppe kaum organisatorisch gestemmt werden könnte. Er zählte jedoch verschiedene Möglichkeiten auf, wie dieses Dilemma überwunden werden könnte: zum einen über Staatsverträge, die zwischen den Bundesländern geschlossen werden könnten, um beispielsweise regionale Kammern zu etablieren oder den Zusammenschluss, vielleicht auch nur zwecks gemeinsamer Administration mit anderen Berufskammern. Auf die Sorge des Hebammenverbandes, durch die Gründung einer Hebammenkammer an Stärke zu verlieren, wies er darauf hin, dass die Berufsverbände in der Pflege nach den Gründungen der Pflegeberufekammern in einigen Bundesländern Zulauf erlebt hätten. Die professionell Pflegenden wären durch die Pflegekammer berufspolitisch sensibilisiert worden. Weiterhin blickte er auf 20 Jahre zurück, in der die Pflege über Pflegekammern debattiert hatte. Zunächst stand man ihnen ablehnend gegenüber, im Verlauf jedoch wurden deren Vorzüge erkannt.

Andrea Ramsell, Beirätin für den Angestelltenbereich des Deutschen Hebammenverbands wies darauf hin, dass die Hebammen gerade eine bedeutende Veränderung in Form der Akademisierung des Berufes erfahren würden. Nun auch Hebammenkammern zu etablieren könnte die Berufsgruppe überfordern, denn es sei wichtig, alle Hebammen in einem Veränderungsprozess mitzunehmen. Ihr Motto: zuerst die Akademisierung, dann schauen wir weiter. Sie glaube jedoch nicht, dass die Etablierung von Hebammenkammern der richtige Weg zur Stärkung des Hebammenberufes sei.

Aus dem Publikum meldete sich Barbara Blomeier, 1. Vorsitzende des Landesverbandes der Hebammen Nordrhein-Westfalen zu Wort und wies darauf hin, dass wir nicht abwarten sollten, uns eine Meinung zur Etablierung von Hebammenkammern zu bilden, denn die internen und externen Anfragen zu unserer Positionierung zum Thema Hebammenkammer würden sich in Ihrem Bundesland häufen.

Bericht von Michaela Michel-Schuldt und Andrea Villmar

 

 

Bundespflegekammer gestartet

aus pflegen-online.de vom 14.6.2019

 

Die Landespflegekammern in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben mit dem Deutschen Pflegerat in Berlin eine gemeinsame Vertretung gegründet: die Pflegekammerkonferenz.

Die Landespflegekammern und der DPR versprechen sich von dem Zusammenschluss wachsenden Einfluss auf die gesundheitspolitische Bundesebene. Die Pflegekammerkonferenz (Arbeitsgemeinschaft der Pflegekammern – Bundespflegekammer) begreift sich als neue berufspolitische Interessenvertretung der geschätzt 1,3 Millionen Pflegefachpersonen in Deutschland. Außerdem diene sie der „länderübergreifenden Kommunikation sowie dem Harmonisieren von Ordnungen“, heißt es in einem Statement der Pflegekammerkonferenz.

Drube, Mehmecke und Mai sind gleichberechtigte Sprecher

Für die Pflegekammerkonferenz sprechen gleichberechtigt die Präsidentinnen und der Präsident der drei Landespflegekammern – also: Patricia Drube (Foto: 2.v.l./Schleswig-Holstein), Sandra Mehmecke (Foto: 2.v.r./Niedersachsen) und Markus Mai (Foto: l./Rheinland-Pfalz). Die Pflegekammerkonferenz hat die Rechtsform eines nicht eingetragenen Vereins. Zu diesem zählt als vierte Kraft im Bunde auch der Deutsche Pflegerat. „Der DPR unterstützt die Interessenvertretung der Pflegekammern mit seiner berufspolitischen Kompetenz und seinem Netzwerk, solange nicht alle Länder eine Kammer haben“, sagt Franz Wagner (Foto: rechts), Präsident des Deutschen Pflegerates. Die beteiligten Institutionen finanzieren die Arbeit der Pflegekammerkonferenz zu gleichen Teilen.

NRW und Baden-Württemberg – bald fünf Kammern in der Konferenz?

Die Pflegekammern, so heißt es, seien angetreten, die Situation der beruflich Pflegenden nachhaltig zu verbessern und die professionelle Pflege der Bevölkerung sicherzustellen. Auch die Bundesländer Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen planen jeweils eine Pflegekammer. Diese – und alle danach noch entstehenden Kammern – können ebenfalls in der Pflegekammerkonferenz mitwirken, sobald sie

  • errichtet sind
  • über eine Mitgliederzahl verfügen, die den Großteil der Berufsgruppe im jeweiligen Bundesland umfasst
  • die Unabhängigkeit durch Mitgliedsbeiträge gesichert haben

Die Vereinigung der Pflegenden in Bayern kann also nicht mitwirken, da sie nur rund 550 Mitglieder (Stand April 2019) hat.

Kontakt zu Gewerkschaften und Verbänden erwünscht

Die Pflegekammerkonferenz steht der Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und Berufsverbänden offen gegenüber. Nur gemeinsam sei die Situation der Pflege in Deutschland „nachhaltig zu verbessern“, heißt es. Die Gewerkschaften seien in Tarifverhandlungen unverzichtbar, Berufsverbände führten seit Jahren erfolgreich pflegefachliche und gesundheitspolitische Diskussionen. Aber nur Pflegekammern könnten den Beruf weiterentwickeln.

Mehr zur Pflegekammerkonferenz unter pflegekammerkonferenz.bundespflegekammer.de

In eigener Sache: Spendenaufruf für die Initiative Hebammenkammer

28796207_10155049920725771_2737690515388512719_nWir betreiben ehrenamtlich diese Initiative zur möglichen Gründung von Hebammenkammern in Deutschland. Wir sehen in der Gestaltung von Hebammenkammern eine Möglichkeit, die Selbstverwaltung unseres Berufes zu stärken und die Qualität und Sicherheit in der Versorgung von Frauen, Neugeborenen und Familien zu verbessern. Jedes Jahr, bereits dreimal seit 2016 organisieren wir einen bundesweiten Runden Tisch zum Thema Hebammenkammer an Hochschulen, an denen Hebammen ausgebildet werden. Die Vorträge und Präsentationen der Runden Tische und Nachrichten zum Thema sammeln und dokumentieren wir auf dieser privaten Website http://www.hebammenkammer.org . Die Idee ist, die Berufsgruppe der Hebammen zum Thema Regulierung und Selbstverwaltung zu sensibilisieren. Wenn die Hebammen, wie bereits in einigen Bundesländern in der Pflege geschehen, zukünftig danach gefragt werden sollten, ob Sie sich in einer Kammer verorten möchten, sollte die Berufsgruppe in der Lage sein eine „informierte Entscheidung“ zu treffen. Für die Organisation und Umsetzung der jährlichen Runden Tische, die Gestaltung dieser Website brauchen wir Ihre/Eure (finanzielle) Unterstützung. Zukünftig möchten wir ein Design für die Website und Werbematerial entwickeln um Hebammen auf Weiterbildungsveranstaltungen und Kongressen zu erreichen. Dafür brauchen wir Ihre/Eure Spenden
Herzlichen Dank!

Buchempfehlung: Die Bundespflegekammer Mehr Autonomie – mehr Anerkennung: Warum eine Selbstverwaltung für Pflegende so wichtig ist – von Ursula Jendrsczok und Manuela Raiß

screenshot2019-01-3111.23.41

Die erste Landespflegekammer (Rheinland-Pfalz) hat ihre Arbeit aufgenommen; weitere (Schleswig-Holstein, Niedersachsen) befinden sich in der Gründungsphase. In anderen Bundesländern (Berlin, Mecklenburg-Vorpommern) wurde bereits positiv abgestimmt. Immer wird dabei die Errichtung einer Bundespflegekammer angestrebt. Sie soll die Interessen der Pflegenden auf Bundesebene vertreten und auch Einfluss auf die Qualität und Ausbildung der Pflegenden nehmen.
Dieses Buch basiert auf der Masterarbeit von Ursula Jendrsczok (benotet mit „sehr gut“). Es zeigt den Weg zur Bundespflegekammer, nennt die Ziele und Aufgaben, zeigt Chancen und Risiken einer solchen Gründung.

Auf den Punkt gebracht:
Das erste Buch zur Bundespflegekammer.
Ein Leitfaden für politisch interessierte Pflegende, Berufsverbände & Co.
Der Weg zur Selbstverwaltung für Pflegende – Anforderungen & Lösungen.

Probelesen können Sie das Buch hier 

Bestellen beim Verlag hier 

 

Studie belegt Wirksamkeit der Pflegekammer

Meldung bei Pflege Online vom 30.01.2019

Das zeigt die Studie „Pflege in anderen Ländern – vom Ausland lernen?“, welche die Stiftung Münch jetzt vorgestellt hat. Demnach wird anderswo nicht nur mehr in die hochschulische Aus- und Weiterbildung von Pflegefachpersonen investiert. Auch die Selbstorganisation und Selbstverwaltung der Pflege werden gestärkt – und vor allem tragen die Pflegenden dort größere Verantwortung bei der Versorgung der Patienten und übernehmen eigenverantwortlich mehr Aufgaben.

Die vollständige Studie können Sie bei medhochzwei erhalten.

screenshot2019-01-3111.08.46

 

Thema Hebammenkammer auf dem 15. Hebammenkongress in Bremen

Der vom Deutschen Hebammenverband organisierte Deutsche Hebammenkongress, der dieses Jahr vom 27.-29. Mai in Bremen stattfindet, wird sich auch diesmal mit dem Thema „Hebammenkammer“ beschäftigen. Hierfür ist für Dienstag den 28.05.2019 von 14.30-16.00 Uhr eine Podiumsdiskussion angekündigt. Weitere Details entnehmen Sie der  Website des Kongresses