Zukunftsperspektiven der geburtshilflichen Versorgung und die Rolle der Hebamme – Impulsvortrag von Karl-Josef Laumann auf dem 18. deutschen Hebammenkongress

Im Rahmen der Podiumsdiskussion „Die Zukunft der geburtshilflichen Versorgung – wo stehen wir in 10 Jahren und welche Rolle spielt die Hebamme?“ am 7. Mai 2025 auf dem 18. deutschen Hebammenkongress in Münster, sprach Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, über zentrale Herausforderungen und Perspektiven für die Profession der Hebammen. Laumann betonte die Bedeutung der Eigenverantwortung und Selbstorganisation innerhalb der geburtshilflichen Berufsgruppe, insbesondere im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung ihres Berufsfeldes.

Ein zentrales Anliegen des Ministers war es, die strukturellen Unterschiede zwischen Berufen im Gesundheitssystem und jenen, die unter das Berufsbildungsgesetz fallen, hervorzuheben. Während die Ausbildungsinhalte in anderen Bereichen, etwa im Handwerk oder Einzelhandel, maßgeblich von den Kammern bestimmt werden, sei es im Gesundheitswesen die Politik, die die Inhalte festlegt. Laumann formulierte hierzu prägnant: „Alle Berufe im Gesundheitssystem sind staatlich reglementiert. Das ist der große Unterschied zwischen allen Berufen im Berufsbildungsgesetz.“

Laumann stellte klar, dass eine Profession erst dann als vollständig selbstständig gelten könne, wenn sie die Weiterentwicklung ihres Berufes selbst gestaltet. Dies illustriert er am Beispiel der Pflegekammer in Nordrhein-Westfalen, für deren Einrichtung und Stärkung er sich intensiv einsetzt. Er verwies jedoch auch auf die Schwierigkeiten, die mit der Akzeptanz solcher Kammern einhergehen: „In Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist die Kammeridee, die hatten Kammern, gescheitert an den eigenen Leuten.“

Mit Blick auf die Hebammen betonte Laumann die Notwendigkeit, eine geschlossene und starke Organisationsstruktur zu schaffen, die es ermöglicht, wesentliche Fragen zur Ausbildung, zu Prüfungsanforderungen und zur gesetzlichen Einbettung des Berufs eigenständig zu regeln. Dies sei eine zentrale Voraussetzung, um die Profession zukunftsfähig zu machen: „Dann darf man erstens keine zersplitterte Vertretungslandschaft haben und zweitens muss man natürlich überlegen, wie man das organisiert.“

Laumann verstand seine Rolle als Politiker dabei weniger als einen Akteur, der alles regeln wolle, sondern vielmehr als einen Unterstützer des Subsidiaritätsprinzips: „Ich bin ein Politiker, der Meinung ist, der Staat muss das Notwendige entscheiden, aber alles das, was da entschieden werden können, wo Menschen es selber entscheiden können, die sogenannten kleinen Lebenskreise […] ist mein Credo.“

Er appellierte eindringlich an die Hebammen, Verantwortung für die eigene Berufsentwicklung zu übernehmen, ähnlich wie dies bereits bei anderen verkammerten Berufen, insbesondere den Ärztinnen und Ärzten, der Fall sei. Er versprach zugleich politische Unterstützung bei der Schaffung der entsprechenden rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen: „Und sie das auch von der Politik einfordern, dass wir dafür die Gestaltungsspielräume Ihnen eröffnen.“

Abschließend unterstrich Laumann, dass die Delegation staatlicher Aufgaben an Kammern ein wesentlicher Bestandteil eines modernen Staatsverständnisses sei. Er kündigte an, dass Nordrhein-Westfalen auch künftig diesen Weg weiterverfolgen werde: „Wir werden auch in den nächsten Jahren in Nordrhein-Westfalen Schritt für Schritt der Pflegekammer staatliche Aufgaben übertragen.“

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Laumanns Impuls einen deutlichen Appell an die Hebammen richtete, sich stärker zu organisieren und Verantwortung für die Weiterentwicklung ihrer Profession zu übernehmen. Wenn die Hebammen die Entwicklung ihres Berufs selbst steuern wollen – sei es bei der Ausbildung, den Prüfungsanforderungen oder der Definition ihres Berufsbildes – dann brauchen sie eine eigene Kammer. Dabei stellte er die Bereitschaft der Politik in Aussicht, die notwendigen rechtlichen und institutionellen Voraussetzungen zu schaffen, um diesen Prozess zu unterstützen.

NRW bekommt eine Pflegekammer

„Der Landtag hat am 24. Juni 2020 das Gesetz zur Errichtung der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen verabschiedet. Minister Laumann wird innerhalb von 40 Tagen nach Inkrafttreten des Gesetzes die Mitglieder für den Errichtungsausschuss berufen. 

Nachdem sich in einer repräsentativen Umfrage Ende des Jahres 2018 mit insgesamt 79 Prozent eine deutliche Mehrheit der befragten Pflegefachkräfte für eine Pflegekammer als Interessenvertretung ausgesprochen hatte, wurde mit dem Gesetzgebungsverfahren für die Errichtung der Pflegekammer Anfang des Jahres 2019 begonnen.

Nach Abstimmungen innerhalb der Landesregierung und einer umfangreichen Anhörung der Verbände und aller beteiligter Stellen, wurde der Gesetzentwurf Ende 2019 in den Landtag eingebracht, dort beraten und schließlich verabschiedet. „

Pflichtmitglied­schaft in Pflegekammer ist rechtens

aus dem Ärzteblatt 08.2019

Lüneburg – Die Zwangsmitgliedschaft in einer Pflegekammer ist rechtlich nicht zu be­anstanden. Das hat das niedersächsische Oberverwaltungsgericht heute entschieden und die Klagen von zwei Krankenschwestern gegen die Zwangsmitgliedschaft in der Pflege­kammer Niedersachsen zurückgewiesen (Az. 8 LC 116/18, 8 LC 117/18).

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Dokumentation 3. Runder Tisch Hebammenkammer – Präsentationen und Audioaufnahmen

Am 9.6.2018 fand der 3. Runde Tisch Hebammenkammer an der Evangelischen Hochschule in Berlin statt.

Zu Beginn der Veranstaltung gab Frau Prof. Melita Grieshop einen Überblick zum derzeitigen Stand der Professionalisierung des Hebammenwesens unter besonderer Berücksichtigung der Akademisierung. In ihrem Vortrag zeigte Sie die Verknüpfungen zwischen Ausbildung und Regulierung von Hebammen auf und schlug somit eine Brücke zwischen Akademisierung und Verkammerung.

Audio GrieshopPräsentation Grieshop

Im Anschluss führten Andrea Villmar und Michaela Michel-Schuldt die Teilnehmerinnen in das Programm des der Veranstaltung ein und gaben einen Überblick über bisherige Aktivitäten zum Thema Verkammerung des Hebammenwesens.

Audio Villmar/Michel-SchuldtPräsentation Villmar/Michel-Schuldt

Den Keynote Vortrag hielt Frau Dr. Susanne Wagenmann, die Geschäftsführerin der Pflegekammer Rheinland-Pfalz. Die Teilnehmerinnen hatten im Anschluss Zeit, Frau Dr. Wagenmann Fragen zu stellen.

Audio WagenmannPräsentation Wagenmann

Zur Podiumsdiskussion, die von Frau Dr. Christine Bruhn, die Geschäftsführerin des Geburtshauses Charlottenburg und Mitglied im Vorstand des Netzwerks für Geburtshäuser moderiert wurde, konnten Vertreterinnen aus der Berufspolitik, der Bundespolitik, der wissenschaftlichen Fachgesellschaft und der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz gewonnen werden. Es diskutierten

Frau Ursula Jahn-Zöhrens, Beiräten für den freiberuflichen Bereich des Deutschen Hebammenverbandes

Frau Elke Mattern, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft

Frau Maria Klein-Schmeink, gesundheitspolitische Sprecherin der Partei die Grünen

Frau Katrin Helling-Plahr, Bundestagsabgeordnete der FDP und Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestages

Frau Dr. Susanne Wagenmann, Geschäftsführerin der Landespflegekammer RLP

Audio Podiumsdiskussion

Am Nachmittag arbeiteten die Teilnehmerinnen in drei Gruppen an den Themen: wie geht es weiter auf Landesebene, Gestaltung einer Präsentation für Multiplikatorinnen und Initiative Hebammenkammer im Rahmen eines Vereins?

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmerinnen der Veranstaltung!

 

 

Bundesgesundheitsminister Spahn – Rückenwind für die Gründung von Pflegekammern

Mit 1,2 Millionen Beschäftigten sind die Pflegekräfte die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen. Pflegekammern sollen ihnen mehr Einfluss verschaffen. Auch der neue Bundesgesundheitsminister Spahn unterstützt das.

„Ich bin ein Verfechter der Pflegekammern.“ Auf dem Deutschen Pflegetag in Berlin löste der neue Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit diesem Bekenntnis Erleichterung und stürmischen Beifall aus. Seit Jahren kämpfen der Deutsche Pflegerat und viele professionell Pflegende in Deutschland für mehr Selbstbestimmung und eine einflussreichere Stimme ihres Berufs gegenüber der Politik.

Ihr Ziel: Nach dem Vorbild von Ärzten, Apothekern oder Anwälten wollen sie in den Bundesländern Landespflegekammern einrichten. Auf Deutschland-Ebene soll dann eine Bundespflegekammer gegründet werden; im vergangenen September wurde eine Gründungskonferenz einberufen.

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